Bäuerin füttert Mastochsen

Hintergrund zu Abaya & Gelana

Ausgangslage

In Gelana und Abaya haben die Bauernhöfe nur eine Grösse von 0,25 bis maximal ein Hektar – das reichte nicht, bei einer nicht-angepassten Wirtschaftsweise, um die wachsende Bevölkerung zu ernähren. Eine durchschnittliche Familie hatte deshalb zu Beginn unserer Intervention die Hälfte des Jahres nicht genug Nahrung. 

Der Verkauf von Vieh ist im ländlichen Äthiopien die wichtigste Möglichkeit, an Bargeld zu kommen, um damit Kleidung, Schulbedarf und Nahrungsmittel zu bezahlen. Doch durch die Klimaveränderungen nehmen die Temperaturen zu und damit auch Nahrungsmangel und Viehkrankheiten. Deshalb ging es darum, die Viehzucht über Schulungen und das Bereitstellen gesunder Tiere zu fördern. 

Häufig leiden vor allem Kinder an Krankheiten, die durch verschmutztes Wasser verursacht sind. Dies ist ökonomisch eine schwere Belastung: Die Arbeitskraft ist eingeschränkt und die Familien müssen ihre wenigen Mittel für Medikamente aufwenden. Also war der Bau von Quellfassungen im Projekt eine wichtige Aktivität. 

Es fehlte an Selbsthilfe-Strukturen wie Spargruppen und Kooperativen, weshalb die Menschen bei dringendem Geldbedarf ihre landwirtschaftlichen Produkte zur Unzeit an Zwischenhändler verkaufen mussten, die sie horteten und nach einiger Zeit mit grossem Profit weiterverkauften. Bei akuter Not mussten sich die Bauern an private Geldverleiher wenden – dort sind Zinsen von 100 Prozent an der Tagesordnung: Derart verschuldet, bleibt Entwicklung für sie ein unerreichbarer Traum. Deshalb flüchteten vor allem junge Leute in der Hoffnung auf ein besseres Leben in die Städte, wo sie in Armensiedlungen landen.

Unsere Hilfe zur Selbstentwicklung

Konzept mit fünf Bausteinen

Auf vielfältige Weise wollten wir mit unserem Partner EWNRA die Grundbedürfnisse von rund 150´000 Menschen erfüllen und ihr Einkommen verbessern, so dass sie in ihrer Heimat menschenwürdig leben können. Insgesamt gab es fünf grundlegende Komponenten in dem integrierten Entwicklungsprojekt:

1. Förderung der landwirtschaftlichen Produktivität:

Einer der wichtigsten Gründe für die Landflucht ist die Knappheit an Lebensmitteln. Die Menschen brauchen Nahrungsmittelsicherheit das ganze Jahr über. Es ging darum, auf den kleinen Feldern eine grössere Produktivität zu erzielen. Die Fachleute von EWNRA unterrichteten die Bauern in modernen und angepassten Bewirtschaftungsmethoden und wie sie ihre Produktion diversifizieren können, etwa mit verschiedenen Gemüsesorten. Das Saatgut wurde als eine Art Darlehen im Rahmen von Kooperativen vergeben. Nach der Ernte zahlten die Bauern die Kosten für die Inputs an die Kooperative zurück.

2. Schaffung von Einkommensmöglichkeiten für Familien:

Ebenfalls im Rahmen eines Darlehens erhielten Bauern junge Rinder, Schafe und Ziegen von leistungsfähigen Viehrassen, die schnell an Gewicht zulegen. Nach der Mast können sie die Tiere mit beachtlichem Gewinn verkaufen. So schaffen wir Vermögenswerte, die Familienexistenzen absichern.

3. Zugang zu Wasser und Hygiene-Bildung:

Um die wasserbürtigen Krankheiten zurückzudrängen, brauchten die Menschen Hygiene-Unterricht und vor allem sicheres Trinkwasser. Vom Bau von Wasserstellen und der Sanierung alter Anlagen profitierten 26’600 Menschen.

4. Wiederherstellung der natürlichen Ressourcen:

Damit das Land tragfähig bleibt, müssen einerseits die natürlichen Ressourcen gestärkt, andererseits die Bevölkerungszunahme gebremst werden. Männer und Frauen erhielten Unterricht in Familienplanung, und in zahlreichen Trainings wiesen die Entwicklungsexperten unserer Partnerorganisation die Bauern an, wie sie ihre Böden vor Erosion und Auslaugung schützen können. Um den Wald zu schonen und den immensen Einschlag von Brennholz für die Kochfeuer zu verringern, wurde die Verteilung von holzsparenden Herden gefördert.

5. Zusammenführung von Kooperativen:

Was der Sozialreformer Friedrich Wilhelm Raiffeisen in Mitteleuropa schon im 19. Jahrhundert erkannte, gilt auch für die Bauern in Äthiopien: Wenn sie sich zusammenschliessen, kommen sie leichter an landwirtschaftliche Inputs, Marktzugänge und Kredite. Deshalb unterstützten wir sie dabei, sich in Kooperativen zusammenzuschliessen – und so die Zwischenhändler zu umgehen und auch von den Wucherzinsen privater Geldverleiher unabhängig zu werden.